Bild: Treptower Park


telegrafisches Kurzzeichen: BTP, vormals Tw
eröffnet: 1. Februar 1875 (als Treptow)
elektrischer Betrieb seit: 6. November 1928 (Ringbahn), 1. Februar 1929 (Richtung Görlitzer Bahn)
Station liegt auf der Ringbahn

Sonnenallee Ostkreuz
Plänterwald  

Als Treptow eröffnete der Bahnhof mit zwei Seitenbahnsteigen am 1. Februar 1875. Da der Zugverkehr immer mehr zunahm, baute man 1888 ein Empfangsgebäude und machte aus den beiden Seitenbahnsteigen einen Mittelbahnsteig. Acht Jahre später kam dann ein zweiter Mittelbahnsteig hinzu.

Am 6. November 1928 hielt dann der elektrische S-Bahnverkehr, erst auf der Ringbahn, seinen Einzug. Knappe drei Monate später war die Stromschiene auch in Richtung Baumschulenweg benutzbar. Die Umbenennung in Treptower Park fand am 3. Oktober 1937 statt.
Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges bekam auch die Station zu spüren: das Empfangsgebäude von 1888 wurde zerstört.

Bild: Einfahrt von Ostkreuz kommend

Einfahrt in den Bahnhof Treptower Park, von Ostkreuz kommend.
Bis Mitte der 1990er Jahre war der Kastanienbaum auf dem Bahnsteig B ein unverwechselbares Merkmal des Bahnhofes.

26. Mai 1952: die DDR beschließt die "Maßnahmen für die Verstärkung der Grenzsicherung" - Westberliner durften seitdem die Berliner Stadtgrenze nicht mehr ohne Sondergenehmigung passieren. Um dem Gesetz Folge zu leisten, ließ die Staatsmacht südlich der Station an den Ringbahngleisen zwei Behelfsbahnsteige errichten, um an ihnen mit Kontrollen den Schmuggel zu unterbinden und unberechtigte Einreisen in die DDR zu verhindern. Jedoch gingen diese Bahnsteige nie in Betrieb, man kontrollierte dann doch lieber gleich im Bahnhof während des extra dazu verlängerten Verkehrshaltes.

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde dann die Ringbahnverbindung in Richtung Sonnenallee unterbrochen, alle Züge fuhren von nun an von Norden kommend weiter in Richtung Baumschulenweg. Aufgrund der Absperrmaßnahmen und den damit verbundenen Stromabschaltungen blieb auf dem Streckengleis Treptower Park - Sonnenallee ein Zug stehen. Da in dieser Nacht vieles sehr schnell vor sich gehen musste, baute die DDR die Gleise vor und hinter (!) dem Zug einfach ab. Erst wenige Tage später wurde dieser Zug nach Ostberlin zurückverbracht
(siehe hierzu Augenzeugenbericht im Buch Strecke ohne Ende - Die Berliner Ringbahn ab Seite 97.)

In den nachfolgenden Jahren verschwanden südlich des Bahnhofes die Gleise der Ringbahn, nichts sollte mehr an eine S-Bahnverbindung in Richtung Sonnenallee erinnern. Diese Veränderungen zeigt sehr deutlich diese Unterseite mit Luftbildern von den Gleisanlagen des Treptower Kreuzes und des Görlitzer Bahnhofes im Bereich der Grenzanlagen.
Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 entstanden schon ein Jahr später die ersten Pläne zur Wiederinbetriebnahme dieses Ringbahnabschnitts. Da der Berliner Senat auch die Stadtautobahn von Neukölln kommend über Sonnenallee zur Frankfurter Allee plante, türmten sich alsbald diverse Probleme auf, die einen schnellen Wiederaufbau verhinderten.

Bild: Blick aus Führerstand

Ausfahrt in Richtung Schöneweide: vorbei am Stellwerk Tw geht die Fahrt nach Plänterwald.
Wo im Bild rechts die Bäume sprießen, war bis zum 13. August 1961 das Ringbahngleis nach Sonnenallee (16. Juli 1983).

Im August 1995 begannen endlich die ersten vorbereitenden Arbeiten: die Bahnsteige wurden saniert. Erst der östliche, dann der westliche. Bei dessen Sanierung wurde auch der Kastanienbaum, der sich am nördlichen Bahnsteigende befand, gefällt. Zwar pflanzte man neue Bäumchen, aber es wird noch viel Wasser in der angrenzenden Spree hinunterfließen, ehe diese die gleichen Schatten werfen können wie ihr Vorgänger.

Im August 1997 war die Sanierung abgeschlossen und man bereitete sich auf das nächste Ereignis vor: Am 18. Dezember wurde die im August 1961 unterbrochene und mittlerweile vollständig sanierte Streckenverbindung Treptower Park—Sonnenallee (-Neukölln) wieder in Betrieb genommen. Da drei Tage später die Verabschiedung der BR 475 stattfand, kamen diese Züge nochmals zu großen Ehren: sie verkehrten in diesen Tagen auf der damaligen S-Bahnlinie S4 auf der nun zum Dreiviertelring angewachsenen Strecke.

Unweit des S-Bahnhofes können die Berliner und Berlin-Besucher viel unternehmen und besichtigen: die Stern- und Kreisschiffahrt GmbH lädt ein zu Rundfahrten, der Bürokomplex "Treptowers" überragt den Bahnhof und der vom Künstler Jonathan Borofsky geschaffene Molecule Man ist garantiert immer ein Foto wert. Oder man sucht einfach nur Ruhe im angrenzenden, namensgebenden Park.

Sonnenallee Ostkreuz
Plänterwald  

Autor:
Mike Straschewski

Quellen und weiterführende Buchtipps:
Berlins S-Bahnhöfe; Jürgen Meyer-Kronthaler/Wolfgang Kramer, be.bra Verlag, 1998

weiterführende Links:
Der Bahnhof bei Google Maps
Das Stellwerk "Tw" auf der Webseite S-Bahn-Fahrdienstleiter

Veröffentlichung:
26. Oktober 2008


letzte Änderung des Textes: 15. März 2009

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