Das Wort "S-Bahn" und das S-Bahnsignet


Fast jeder kennt es und fast jeder weiß auch, was es bedeutet: das S-Bahn-Logo. Jedoch ist die Geschichte dieses Markenzeichens aufgrund fehlender bzw. nicht aufgefundener Quellen derzeitig nicht konkret belegbar.

Hier der Versuch einer Begriffserklärung.

Der Begriff S-Bahn

Eindeutig ist bis heute nicht geklärt, wofür der Buchstabe "S" steht. In Berlin hieß das Verkehrssystem jahrzehntelang "Stadt-, Ring- und Vorortbahnen", was recht sperrig war. Die einen sagen, das Wort "S-Bahn" stehe für Stadtbahn. Da diese Bezeichnung jedoch schon für die vom Ostbahnhof nach Charlottenburg verlaufende Strecke seit 1882 vergeben ist, kann man es ausschließen. Das "S-Bahn" für Schnellbahn steht, ist ebenfalls nicht anzunehmen. Bevor man in den 1920er Jahren das "weiße U auf blauen Grund" für die U-Bahn eingeführte, benutzte man diesen Begriff für die elektrischen Züge der Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin.

Grabstein Rundlogo

Egal, welche Form der Hintergrund hat, charakteristisch ist das geschwungene "S".

Um 1928/29 wurde erstmals der Begriff Stadtschnellbahn geprägt. Zum gleichen Zeitpunkt tauchte dann auch erstmals am S-Bahnhof Halensee ein selbstgemaltes Logo "SS-Bahn" auf. Somit kann mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß S-Bahn für Stadtschnellbahn steht.

Das Logo

Am 1. Dezember 1930 wurden erstmals die noch heute verwendete Bezeichnung "S-Bahn" und das Logo mit weißem S auf grünem Grund eingeführt. Bis heute ist unklar, wer dieses Logo entworfen hat. Ob es der bekannte Reichsbahnarchitekt Richard Brademann gestaltet hat oder ein Werbegrafiker, ist nicht belegt.

Signet Nordbahnhof

Grabsteinförmiges S-Bahnsignet am S-Bahnhof Nordbahnhof, Ausgang Gartenstraße.

Man verwendete anfangs für den grünen Hintergrund eine grabsteinförmige Figur. Für die Nordsüd-S-Bahn (Untergrundbahn der Reichsbahn), deren erster Abschnitt Stettiner Bahnhof - Unter den Linden am 28. Juli 1936 eröffnet wurde, verwendete man für die Kennzeichnung der Eingänge zu den Tunnelbahnhöfen erstmals einen runden Untergrund für das S-Bahn-Logo. Dieses wurde auf einen Pylon gestellt. Zwischen Logo und Pylon war noch ein Kasten eingeschoben, auf dem mit erhabenen Lettern in Tannenberg-Fraktur der Stationsname stand.
Die elektrische Hamburger S-Bahn übrigens benutzt seit ihrer Eröffnung im Jahre 1940 das runde Logo.

Signet Potsdamer Platz

Ein geschmückter Pylon am 15. April 1939, dem Tag der Eröffnung des Streckenabschnittes Unter den Linden - Potsdamer Platz.

Signet Friedrichstraße

Ein modernes S-Bahnsignet mit der für die Pylonen untypischen Schriftart Helvetica.
Größtes Manko sind die durchschnittenen Buchstaben, die die Lesbarkeit verschlechtern (Juni 2005).

Im Verlauf der Jahre änderte sich an der Gestaltung und dem Aussehen nur wenig. Auf den wenigen Signets, die den Bahnhofnamen enthalten, veränderte sich nur die Schriftart. Und somit ist das Logo der S-Bahn ein Markenzeichen, das für Schnelligkeit und eine hohe Zugdichte steht. In anderen Ländern werden darauf basierend verschiedenste Signets verwendet.

Signet Norreport

Kopenhagen, Station Nørreport, September 2002.


Autoren:
Mathias Hiller, Mike Straschewski

letzte Änderung:
26. Oktober 2008

Veröffentlichung:
26. Oktober 2008

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