Der (geplante) Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania


Ideen für eine Umgestaltung Berlins und den damit verbundenen Lösungen für den Verkehr veröffentlichte schon im Jahre 1920 der Schweizer Architekt Martin Mächler. Als Vertreter des Berliner City-Ausschusses - ein Zusammenschluß mehrerer zukunftsorientierter Kaufleute und Industrieller – trug er seine Überlegungen für eine Neuordnung der Mitte Berlins vor. Hintergrund war die Lösung der Struktur- und Verkehrsprobleme der neuen Metropole. Diese sollten z.B. durch den Neubau einer unterirdischen Eisenbahnstrecke in einer neuen Nordsüd-Verbindung beseitigt werden. Diese neue Strecke hätte einen Kreuzungsbahnhof an der bereits existierenden Ost-West-Verbindung - der Stadtbahn - im Bereich des Lehrter Bahnhofs erhalten. Nach Inbetriebnahme war die Auflassung aller Kopfbahnhöfe vorgesehen. Diese Ideen wurden von Seiten der Stadt Berlin wohlwollend aufgenommen.

Gemäß Berlinische Monatsschrift Heft 9/2000 kommt Adolf Hitler, der selber gerne Architekt geworden wäre, daß erste Mal im Jahre 1927 auf der Berliner Kunstausstellung mit dem Konzept in Berührung. Gleich nach seiner Machtübernahme im Jahre 1933 verfügt er über erste vorbereitende Maßnahmen im Bereich des Brandenburger Tores. In ihm reift die Idee einer Umgestaltung Berlins zur "Welthauptstadt Germania" heran. In die Geheimnisse der Baukunst weiht ihn der Architekt Paul Ludwig Troost ein, der schon ab 1931 Bauten für die NSDAP (u.a. Haus der Kunst und NS-Parteizentrale in München) schuf. 1934 stirbt Troost.

Im selben Jahr erteilt Hitler dem Architekten Werner March den Auftrag, seinen aus dem Jahre 1929 stammenden Entwurf des Neubaus des Berliner Stadions zu verwirklichen - in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936. Änderungen am Bau führt March teilweise nicht selbst aus - ein junger Architekt namens Albert Speer, vormals technischer Assistent von Paul Ludwig Troost, erhält dafür von Hitler den Auftrag. Hitler sieht in der Architektur die Verkörperung und Darstellung der politischen Macht - und Speer wird sein willfähriges Ausführungsorgan. Schon ein Jahr zuvor, am 1. Mai 1933, hatte er auf dem Tempelhofer Feld auf der von Joseph Goebbels inszenierten Maifeier für die entsprechende Kulisse gesorgt. Ein Jahr später, 1934, trug ihm Goebbels die Leitung des im gleichen Jahr stattfindenden Reichsparteitages in Hitler Lieblingsstadt Nürnberg auf. Noch im Herbst 1934 bekam Speer den Auftrag, als Hauptarchitekt einen Gesamtplan für das Reichsparteitagsgelände zu entwickeln. Damit empfahl er sich für weitere Aufgaben.

Sommer 1936: Speer erhält von Hitler den Auftrag, mit der Neugestaltung Berlins zur Welthauptstadt Germania zu beginnen. Es waren aber auch andere Großstädte für Umbauten vorgesehen: Hamburg sollte das "Welthandelszentrum" werden, München wurde als "Hauptstadt der Bewegung", Nürnberg als "Stadt der Reichsparteitage" auserkoren. Das österreichische Linz gehörte ebenfalls dazu, hier wollte Hitler begraben werden.

Am 30. Januar 1937 wird Albert Speer gemäß einem Führererlaß zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt ernannt. Er erhält umfangreiche Befugnisse, der Einfluß der Berliner Bauverwaltung wird größtenteils aufgehoben. Die Planungen zur Neugestaltung Berlins betreffen außer dem Straßen- und Schienenverkehr auch große Teile der Innenstadt. Weiterführende Informationen erhalten Sie hierzu unter www.luise-berlin.de.

Für den Bereich der Eisenbahn, speziell bei der Deutschen Reichsbahn, wurde am 12. Mai 1937 die Reichsbahnbaudirektion (RBauD) Berlin gegründet, die am 1. Juli 1937 ihre Arbeit aufnahm. Ihr unterlag die Ausführung der von Hitler und Speer verfügten Planungen, auch wenn diese noch nicht völlig ausgereift waren bzw. im Nachhinein noch geändert werden mußten.

Auf den nachfolgenden Seiten sollen die Planungen im Bereich des S-Bahnverkehrs betrachtet werden.


Autor:
Mike Straschewski

weiterführende Quellen, Buchtipps und Links:
Eisenbahn-Größenwahn in Berlin; Bernd Kuhlmann, Verlag GVE, 2005
Netzplan zum Buch Eisenbahn - Größenwahn in Berlin; DBV, 2005
Die Nord-Süd-Achse Martin Mächlers 1917/1920
Luise Berlin: Ideen nehmen Gestalt an
Webseite des Deutschen Historischen Museum: Adolf Hitler
Archinform: Paul Ludwig Troost
Architekturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

letzte Änderung:
26. Oktober 2008

Veröffentlichung:
26. Oktober 2008

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